Einladung: Studis und Uni-Angestellte könnten AK-Antrag formulieren

November 18, 2009 von Andreas Exner

Die Grüne/UG wird bei der nächsten AK-Vollversammlung im Frühjahr 2010 3 Anträge einbringen. Wir laden alle Studierende, Lehrende und andere Uni-Angestellte dazu ein, 1 oder 2 Anträge zu formulieren, die die Forderungen der Uniproteste nach einer Demokratisierung der Universitäten, der Ausfinanzierung der Unis, einer umfassenden Anti-Diskriminierung inkl. einer Frauenquote von 50% in allen Gremien der Universität, einer Abschaffung aller prekären und schlechtbezahlten Dienstverhältnisse an der Universität usw. zum Inhalt haben.

Wir stehen gerne beratend zur Seite.

Damit würde die Solidarisierung der AK-Kärnten mit den Forderungen der Protestierenden, die nach Dringlichkeitsantrag der Grüne/UG beschlossen wurde, in eine noch konkretere Form gegossen.

Grundsätzlich sollte der Antrag (bzw. sollten die beiden Anträge) von den Protestierenden basisdemokratisch und mit Augenmerk auf die an der Universität am schlechtesten bezahlten Angestellten, das Reinigungspersonal erstellt werden.

Die AK-Fraktion Grüne/UG würden den Antrag einreichen (bzw. die beiden Anträge).

Rückfragen: Andreas Exner, 0699 12 72 38 87

Presseaussendung: Die ganze Küche statt BZÖ-Verarmungsoffensive

November 18, 2009 von Andreas Exner

Suppenkaspar Landeshauptmann Dörfler macht wieder von sich reden. Dörfler meinte in einem Interview mit der „Woche“, selbstangebautes Gemüse als Ausgleich zu sinkenden Einkommen sei ein Teil seiner Überlegungen. Frauen möchte Dörfler, ginge es nach seinem Willen, bekanntlich mit Brennesselsuppe abspeisen und an den Herd zurückzwingen. Nun hat er eine geniale Lösung gegen die zunehmende Armut parat: mehr „privaten Gemüseanbau“ brauche das Land.

Dörfler setzt damit einen perfiden Angriff. Arm gemachte Menschen und jene, die im Zuge der strukturellen Krise des Kapitalismus von Verarmung bedroht sind, will er in das düstere Eck des Armengärtleins drängen. Anstatt gesellschaftspolitsche Alternativen zu entwickeln, die den Menschen helfen und ein gutes Leben für Alle möglich machen, schiebt Dörfler sie in den „privaten Gemüseanbau“ ab.

Gegen solche gefährliche Eskapaden kann das Konzept nur lauten: Her mit der ganzen Küche. Kapitalistische Betriebe müssen sich zu solidarwirtschaftlichen Unternehmen in Selbstverwaltung der Belegschaften wandeln. Nahrungsmittel sind nicht privat auf Armutslevel, sondern gemeinschaftlich und auf modernem technischen Niveau zu erzeugen. Sozialleistungen sind auszubauen und durch Besteuerung von hohen Einkommen, Vermögen, Unternehmerprofiten und Aktiendividenden zu finanzieren. „Ein bedingungsloses Grundeinkommen steht den Menschen in Kärnten schon lange zu. Es muss den notwendigen sozial-ökologischen Strukturwandel zu Nahversorgung, Umverteilung und Selbstbestimmung unterstützen“, sagt Andreas Exner, Arbeiterkammer-Rat der Grüne/UG. Exner weiter: „Anstelle privater Armengärten, wie sie Dörfler will, brauchen wir mehr kollektive, interkulturelle und politische Gemeinschaftsgärten mit
einer hohen Produktivität. Ansätze dazu gibt es bereits.“

Presserückfragen: Andreas Exner, 0699 12 72 38 87

Peak Protest? Zur Perspektive der Bewegungen an den Unis

November 18, 2009 von Andreas Exner

Verflogen ist die Euphorie. Ernüchterung macht sich breit. Wer bis dato die überzogene Erwartung kurzfristiger Erfolge hatte – nun ist es nicht mehr zu übersehen: Die Leute in den Hörsälen werden weniger – auch wenn die Facebook-Gruppe “Audimax” weiter angewachsen ist; die Politik reagiert in keiner Weise konstruktiv – auch wenn die Proteste dem Thema “Bildung” enormes Gehör verschaffen konnten; die Probleme an den Unis werden auf absehbare Zeit bestehen bleiben – selbst wenn es mehr Geld vom Ministerium gibt (ja vielleicht gerade dann); die Welle der Solidarisierung blieb vielfach im Paradigma des Kapitals, in Slogans wie “Ausbildung für mehr Wettbewerbsfähigkeit” und “Bildung ist unsere wichtigste Investition in die Zukunft” befangen – wenngleich ihre Breite in der Tat erstaunlich ist.

Zeit, um ein Resümee zu ziehen.

Wer die aktuellen Bewegungen an den österreichischen Unis mit jenen von 1996 und 1987 vergleicht, erkennt viele Gemeinsamkeiten. Die traditionellen Elemente der Proteste sind tatsächlich nur ein schwacher Abklatsch früherer Bewegungen, etwa im Vergleich mit den Bildungsstreiks des Jahres 1987, wo es tatsächlich einen “Schulterschluss” mit den von der Krise der Verstaatlichten gebeutelten ArbeiterInnen gab und nicht nur das Audimax besetzt worden ist, sondern sich ein Streik entwickelte, der sogar über die Unis hinausgriff. Auch die Selbstorganisation und die spontane Aktionsform der Protestierenden ist keinesfalls historisch neu. Die Breitenmeinung, Facebook, Twitter & Co. hätten in dieser Hinsicht eine neue Qualität gebracht, ist falsch. Blickt man in die Geschichte sozialer Bewegungen, so sieht man immer wieder Phasen ausufernder Selbstorganisation, und die ist nicht auf das Internet angewiesen, Stichwort 1968.

Dennoch haben die aktuellen Proteste eine neue Qualität; eine, die ermutigt. Drei Punkte unterscheiden sie von früheren Bewegungen in Österreich und stellen sie in eine entfernte Reihe mit den Ereignissen von 1968.

Erstens. Die spontane Selbstorganisation ist eine im wahrsten Sinn uralte Fähigkeit der Menschen. Der Kapitalismus kann sie nicht beseitigen, macht sie sich vielmehr zum Teil zunutze. In Phasen gesellschaftlichen Aufbruchs und in Krisen treten diese Fähigkeiten daher relativ rasch zutage. Unter günstigen Bedingungen können sie sich selbst strukturieren und eine basisdemokratische, konsensorientierte Form annehmen, die sich auf Dauer stellt. In der Emphase des “Individuums”, die man in den Kreisen der Beteiligten in diesem Zusammenhang immer wieder hört, ist weniger das bürgerliche Subjekt zivilgesellschaftlicher Träume, sondern vielmehr ein “anarchistischer”, auf Selbstbestimmung bedachter Zug sehr vieler Engagierter zu erkennen.

Das Neue in der gegenwärtigen Dynamik ist also nicht in der Selbstorganisation zu sehen. Es liegt vielmehr im Umstand, dass Parteistrukturen keine Rolle in den Protesten spielen. Bis jetzt ist auch keinerlei parteiliche Vereinnahmung gelungen. Die Interessensvertretung der Studierenden, die Österreichische Hochschüler_innenschaft hält sich im Hintergrund. Sie begleitet die Proteste und unterstützt sie im besten Sinne, ohne dass sie bisher einen Führungsanspruch oder ein Verhandlungsmandat geltend macht.

Zweitens. Anders als frühere Proteste ordnen sich die aktuellen Bewegungen in eine internationale Dynamik ein. Nicht nur wurden sie über feine aber entscheidende Informations- und Wahrnehmungskanäle von anderen sozialen Kämpfen im Bildungssektor inspiriert. Sie üben auch selbst Inspiration auf andere Studierende aus. Der Anstoß, den die Wiener Besetzungen für Deutschland gaben, ist bekannt.

Drittens. Die Proteste von 1987 und 1996 waren rein defensiv. Die Position dieser Bewegungen war deshalb äußerst schwach. Ab dem Zeitpunkt, als die Luft des ersten Unmuts draußen war, fielen die Bewegungen daher wie Schaum in sich zusammen. Dies gilt übrigens auch für die Demonstrationen gegen die FPÖ-ÖVP-Regierung im Jahr 2000. Das ist inzwischen anders. Die Arbeitsgruppen, die Studierende gleich nach Beginn der Besetzungen bildeten, sind nicht zu Unrecht bis in die mediale Wahrnehmung vorgedrungen. Neben organisatorischen Belangen entwickeln manche von ihnen eine radikale Kritik von “System und Bildung”, greifen Forderungen wie die nach einem bedingungslosen Grundeinkommen auf und beginnen ganz allgemein so etwas wie ein Denken in Perspektiven zu entfalten.

Das schützt nicht zuletzt vor naiven Hoffnungen auf raschen Erfolg.

Am Wochenende standen sowohl in Graz als auch in Wien Tage der Reflexion am Programm. Die Stimmung der Debatten war über weite Strecken nüchtern, mitunter etwas pessimistisch. Vereinzelt und im Widerspruch dazu wurde auf die Verbreiterung der Uni-Proteste durch Bewegungen in Deutschland, der Schweiz, den USA etc. verwiesen. In manch einem Moment kam sogar so etwas wie erneute Euphorie darob auf. Im Großen und Ganzen aber scheinen sich die Engagierten keine übertriebenen Erwartungen zu machen. So meinte eine ÖH-Aktivistin in Graz auf die Frage nach der Perspektive sinngemäß: viele Leute haben sich in den Protesten politisiert, es sind interessante Erfahrungen gemacht worden; nun gälte es, die Universität in Kleinarbeit und vielen Schritten in Richtung von mehr Freiraum zu verändern.

Die Einschätzung, dass der Weg auch für kleine Verbesserungen lang sein wird, ist zweifelsohne richtig. Allerdings wird zumeist kurzschlüssig davon ausgegangen, dass damit auch eine Absage an radikale Kritik verbunden sei. Die Frage “Reform oder Revolution” steht schnell im Raum, und die Antwort ist von vorneherein klar: was man hier mache, sei Reformismus – und meint implizit: kein Ansatzpunkt für eine andere Gesellschaft.

Das stimmt jedoch nur mit Vorbehalt. Es ist bezeichnend für die Notwendigkeit, die Reflexion über die eigenen Bewegungen zu vertiefen, dass etwa die erstaunlichen, überwiegend von Respekt und Achtsamkeit geprägten Umgangsweisen der Beteiligten miteinander, die Strukturen der Organisation und Reproduktion (Volxküche etc.) nicht als das bewusst erkannt werden, was sie sind: ein Komplex von Beziehungsweisen, welcher der herrschenden Struktur des Zusammenlebens sichtbar entgegensteht. Die Beteiligten thematisieren die ungewöhnliche (und ungewöhnlich angenehme) Beziehungsweise, die sich über alle – oft bedeutenden inhaltlichen Unterschiede hinweg – etabliert hat, selbst bei vielen Gelegenheiten. Dass sie ihr Potenzial dennoch nicht im selben Maß erkennen wie es ihnen für ihr Engagement charakteristisch erscheint oder dieses Potenzial jedenfals nicht als ein solches auch diskutieren, ist ein Defizit. Die ÖH-Aktivistin in der Grazer Reflexionsdebatte “Wie weiter?” beschrieb es in etwa so: dass man aufeinander aufpasst, zum Beispiel jemandem, der zuviel getrunken hat oder einer, die sich schlecht fühlt, rät, sich auszuruhen, heimzugehen; das könne man schon – sie stockte bei diesem Wort, als führte sie es zum ersten Mal im Mund oder als schiene es ihr in diesem Fall zu pathetisch – “solidarisch” nennen.

In der Tat.

Der Erfolg der Proteste liegt also kaum in “realpolitischen” Optionen. Vielmehr zeigt sich in ihnen eine neue Radikalität, die entwicklungsfähig ist. Sie bieten Ansatzpunkte für eine Reflexion darüber, was menschliche Beziehung im Kapitalismus ist, wie sich die Erfahrungen der Protestierenden davon in einigen Momenten unterscheiden, und wie man diese Momente erweitern und tragfähiger machen kann.

Die Proteste fielen keineswegs vom Himmel. Ihnen voraus ging die weitverzweigte Arbeit kleiner Gruppen und dem öffentlichen Auge verborgener Zusammenhänge. Sie übten Kritik am Bildungssystem und stellten es in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext. Allein dieser Umstand zeigt bereits, dass die Hoffnung, durch Minimalismus und eine Engführung der Inhalte der Proteste größeren Erfolg zu erzielen, nicht nur eitel ist, sondern eine Illusion.

Die Bewegungen in Österreich nahmen bekanntlich von der Akademie der Bildenden Künste ihren Ausgang. Gerade dort aber ist eine radikale Kritik zuhaus, die vielen anderen Zusammenhängen bis dato fehlt. Die Besetzungsaktion der Aktivist_innen der Akademie, welche die Protestlawine lostrat, stand also in einem weiten Kontext. Sie griff auf eine Vielfalt an kritischen Debatten und Erfahrungen zurück, wie es in einem Statement der Aktiven auch explizit benannt worden ist. Sie ist das Ergebnis langfristigen Bemühens. Dass die Aktion der Akademie eine derartige Kettenreaktion auslösen würde, hat wohl kaum jemand der Beteiligten erwartet. Vielleicht war das Milieu dafür durch das stumme gesellschaftliche Krisengefühl bereitet, vielleicht noch verschärft durch spontanen Unmut über schlechte Studienbedingungen. Auf jeden Fall war es hoch entzündlich für den Funken, den die Akademie-Aktivist_innen schlugen.

Die Bewegungen sind also – und darin liegt vielleicht ein weiterer Unterschied zu früheren Protesten – bereits das Ergebnis längerfristiger Politisierung, einer unbeirrten Arbeit im kleinen Rahmen. Nicht zuletzt aus diesem Grund eröffnen sich mit ihnen auch interessantere Perspektiven als üblich.

Mit dem Abflauen der Dynamik stellt sich nun freilich jene Frage, die auch das Thema für die samstägliche Debatte in Graz abgab: “Wie weiter?”

Zwei Aspekte einer möglichen Antwort liegen auf der Hand: Einerseits wird die organisatorische und infrastrukturelle Frage virulent, wie man die Strukturen und Erfahrungen von Basisdemokratie und kollektiver Selbstentfaltung fortführen kann, ist die Besetzung der Hörsäle einmal beendet. Zum Anderen drängt die inhaltliche Radikalisierung der Proteste erneut in den Vordergrund – radikale Kritik stand am Anfang der Bewegungen, und radikale Kritik ist ihre Perspektive. Dort wo sich eine solche Kritik mit dem Bewusstsein organisch verbindet, dass die Aussichten für Studierende und Nicht-Studierende alles andere als rosig sind, solange eine Alternative zum Kapitalismus auf die lange Bank geschoben wird, kann sie die Protestdynamik vielleicht in anderer Form aufrecht erhalten. Als punktuellen Eingriff nämlich in verschiedene Bereiche des gesellschaftlichen Betriebs, der mit jedem Monat mehr in Richtung einer barbarischen Selbstzerstörung driftet. Auf jeden Fall wären die Bewegungen dann nicht umsonst gewesen, keine Eintagsfliege im Lauf des Kapitals, sondern hätten sich als der dringend nötige Aufbruch einer Menge erwiesen, die ein Neuland der Beziehung jenseits von Kapital und Staat aufsucht.

Während der erste, organisatorisch-infrastrukturelle Aspekt in die Frage nach permanenten Räumen mündet, erfordert der zweite, inhaltliche Aspekt zuvorderst einmal Vernetzung emanzipativ orientierter Initiativen, die es in erstaunlicher Anzahl gibt, voneinander aber bis dato noch kaum wussten. Mit dem Workshop “Vom Uniprotest zu einer Solidarischen Ökonomie der Bildung” ist ebenso wie mit anderen, vergleichbaren Treffen der letzten Tage ein erster Schritt dahin getan.

Ein konkretes Ergebnis ist die Plattform “Massenuni” mit dem Untertitel “Von der Kritik der Universität zur Solidarischen Ökonomie der Bildung”, auf der sich eine radikale Kritik des Bildungssystems vernetzt und damit besser sichtbar wird; ein anderes ist die Gruppe “Solidarische Ökonomie der Universität” im Social Network SOLCOM, das sich mit der Debatte um Solidarische Ökonomie und Gemeingüter befasst.

Die Proteste verschwinden vom Medienschirm. Die Hörsaalbesetzungen mögen in zwei Wochen enden oder in zwei Monaten oder dreien. Das Gespräch mit Minister Hahn wird kein Ergebnis bringen. Die Mehrheit der an den Protesten Beteiligten wird ihr Engagement niederlegen. Sie wird weiter dem Weg folgen, der ihr vorgezeichnet ist, konzentriert auf bedruckte Scheine und auf der Suche nach dem kapitalen Glück. Viele andere aber sind da mit neuen Ideen, sind auf den Geschmack gekommen, etwas ganz Anderes zu versuchen und das, was sie bereits dazu entwickelt haben, zu erweitern.

Es gilt die Proteste nach Möglichkeit in neuer Form, als eine Verbindung aus radikaler Kritik und alternativer Praxis gemeinsam zu vertiefen.

Ein Versuch ist gemacht.

Massenuni on Air! Kritik der Uni & Solidarische Ökonomie der Bildung

November 18, 2009 von Andreas Exner

Verschiedene Initiativen und Arbeitskreise, die sich mit der Kritik der Universität befassen und eine Solidarische Ökonomie der Bildung entwickeln wollen haben eine Weblog-Plattform eingerichtet.

Sie soll Koordination und Vernetzung kapitalismuskritischer Initiativen fördern:

Massenuni

A.Exner bei Studi-Debatte, Graz, 14.11.: „Wie weiter? – (Studentische) Protestbewegungen von 1968 bis Heute – Lektionen der Geschichte, Strategieentwicklung Jetzt!“

November 11, 2009 von Andreas Exner

Weitere Infos unter uniggrazehoertuns

17:00 – 20:00 /// HS A, Uni Graz

„Wie weiter? – (Studentische) Protestbewegungen von 1968 bis Heute – Lektionen der Geschichte, Strategieentwicklung Jetzt!“

Podiumsdiskussion mit BefreierInnen der Vorklinik, LEO KÜHBERGER (Aktivist KF-Unibesetzung 1996), JOHANNA MUCKENHUBER (Beteiligte an den Grazer StudentInnenprotesten 1996 als Schülerin), CHRISTIAN STENNER (Beteiligter an den Grazer StudentInnenprotesten 1987), ANDREAS EXNER (Social Innovation Network, Grüne/UG, Aktivist Uniproteste 1996 Wien), u.a.

Workshop: „Vom Uniprotest zur Solidarischen Ökonomie der Bildung“ – Audimax, Uni Wien, 15.11., 14.00-16.00

November 11, 2009 von Andreas Exner

Zeit: Sonntag, 15.11., 14.00-16.00 Uhr. Ort: Audimax, Uni Wien

Inhalt: Wie kann eine Protestdynamik nach dem Ende von Hörsaal-Besetzungen aussehen? Was wäre eine längerfristige Perspektive der Bewegung? Wie erweitern wir die Bewegung inhaltlich und schärfen zugleich ihren Fokus? Wie entgehen wir der Reduktion auf “Forderungen an die Politik”? Wie könnte eine “andere Uni” aussehen? Wäre eine “andere Uni” noch eine “Universität”?

Für eine Antwort auf diese Fragen wollen wir die Universität bzw. das Bildungssystem im gesellschaftlichen Kontext, als Teil kapitalistischer Produktionsverhältnisse und vor dem Hintergrund einer globalen Krise begreifen.

Ziel: des Workshops ist Vernetzung von Aktivitäten, die ein Projekt “Solidarische Universität” inhaltlich und organisatorisch vorantreiben wollen, das kapitalistische Produktionsverhältnisse angreift und parziell transzendiert. Dazu geben wir als Input kurze Thesen, sammeln Ideen und öffnen eine Debatte um konkrete Schritte.

Input/Organisierung: seitens verschiedener AktivistInnen aus folgenden Gruppen/Initiativen: Grundrisse, Perspektiven, Streifzüge, Boku- und Akademie-AktivistInnen, Sinet, Attac und andere.

Kontakt: andreas.exner*ÄT*chello.at, 0699 12 72 38 87

Thesen-Inputs: ca. je 5 Minuten (derzeitiger Stand):

1) “Welche Uni? – Zugang zum und Unabhängigkeit vom herrschenden System” (Markus Schallhas)

2) “Privatisierung und kapitalistische Ökonomisierung der Universität” (Petra Ziegler)

3) “Die Universität und ihre Rolle in der kapitalistischen Arbeitsteilung” (Martin Birkner)

4) “Dogmatischer Pluralismus – wie entstehen die Gegenstände der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften?” (Franz Nahrada)

5) “Für eine Solidarische Ökonomie der Universität” (Brigitte Kratzwald)

6) Input von AktivistInnen der Akademie der Bildenden Künste (Sophie Schasiepen)

Bitte: um Bewerbung und Verbreitung.

Unibrennt-Ankündigung: hier.

Mehr Infos und Texte dazu hier

AK-Kärnten solidarisch mit Studierendenprotesten! Vollversammlung beschließt Dringlichkeitsantrag der Grüne/UG

November 6, 2009 von Andreas Exner

Die Grüne/UG hat heute als Dringlichkeitsantrag in der AK-Vollversammlung die Solidarisierung der Arbeiterkammer Kärnten mit den Studierenden eingebracht. Als erster Dringlichkeitsantrag seit rund 40 Jahren hat die Vollversammlung ihn beschlossen.

Die Vollversammlung der AK-Kärnten erklärt sich mit den Forderungen der Studierenden nach einem freien Hochschulzugang, einer Demokratisierung der Universitäten und einer Abschaffung aller prekarisierten Dienstverhältnisse an den österreichischen Universitäten solidarisch.

Die Mandatare der BZÖ-Arbeitnehmer, des ÖAAB und der Freiheitlichen Arbeitnehmer enthielten sich der Stimmen.

Daniela Deutsch: „Es geht uns darum, dass alle ArbeitnehmerInnen ihr Recht auf Bildung verwirklichen und unbeschränkt studieren können“, und Andreas Exner ergänzt: „Damit wird den Studierenden und ihren wichtigen Anliegen für die Gesellschaft der Rücken gestärkt.“

Infos zu den Studierendenprotesten hier.

Presseaussendung der AK-Kärnten hier.

Presserückfragen an Andreas Exner

andreas.exner*ÄT*chello.at, 0699 12 72 38 87

BZÖ-Wassermann muss noch studieren lernen – Brennesselsuppe kontraproduktiv

November 1, 2009 von Andreas Exner

Als „sinnlos und lärmend“ bezeichnet die Klagenfurter BZÖ-Gemeinderätin und Studentin Sandra Wassermann den Studierendenprotest. Der Streik müsse ein Ende haben (Info hier). Die Gemeindrätin appelliert an die Streikenden, die Hörsäle „endlich wieder den willigen Studierenden zurück zu geben“.

Vertraulichen Informationen zufolge wollte Wassermann ein Seminar zur männergerechten Fabrikation von Brennesselsuppe besuchen, das Landeshauptmann Dörfler als externer Lektor an der Universität Klagenfurt in geheimer Mission („Bildungsoffensive BZÖ“) leitet. Dabei wurde die BZÖ-Gemeinderätin laut unbestätigten Gerüchten von wütenden Protestierenden, die lieber Spaghetti machen wollten, am Zutritt zur Herdplatte mit Sprüchen wie „Rettet die Brennessel“ und „Warum hat uns Landeshauptmann Haider kein Kochbuch hinterlassen“ gehindert.

Diesen Absatz als eine ironische Paraphrase politischer Positionierungen des BZÖ dechiffrieren zu können, ist eine wichtige Fähigkeit, die durch Bildung angeeignet wird.

Wird Sandra Wassermann nach Abschluss ihrer Studien dazu in der Lage sein? Wir können es nur hoffen.

Denn jede und jeder, die und der einmal eine Lernerfahrung durchgemacht hat weiß, dass Wissen nicht eingetrichtert werden kann.

Das ist einer der Ausgangspunkte der Studierendenproteste: Bildung beruht auf der Eigentätigkeit von Studierenden und kann nicht in einem verschulten System des geistigen Duckmäusertums „erzeugt“ werden. Die studentischen Proteste bleiben aber nicht bei Kritik stehen. Sie zeigen darüberhinaus, dass Selbstverwaltung von Bildung möglich ist: mit selbstorganisierten Workshops, Arbeitsgruppen und Lehrveranstaltungen (siehe z.B. die unibrennt-Seite). Lehrplänen können und sollen durch Studierende und Lehrende gemeinsam erarbeitet werden; Studierende haben häufig ein feines Sensorium für gesellschaftliche Bedarfslagen und müssen ihre Studien entscheidend mitgestalten können.

Aussagen wie die von BZÖ-Wassermann zeigen, dass die Bildungsinitiativen, die viele Studierende in ganz Österreich nun so kraftvoll setzen, in manchen Köpfen noch einen weiten Weg zurückzulegen haben. Bildung braucht Zeit, und die wollen wir auch Sandra Wassermann zugestehen. Allerdings sollte sie dabei andere Studierende nicht hindern, Bildung anzueignen und zu verteidigen.

Kurzum: Unüberlegte Kritik an der hochnotwendigen, durch die Studierenden eingeleiteten Neuorientierung der österreichischen Universitäten, wie sie BZÖ-Wassermann äußert, ist fehl am Platz. Wir können es uns schlicht nicht leisten, weiterzustrudeln wie bisher.

Denn die Gesellschaft steckt in einer mehrfachen Krise: ökonomisch, ökologisch, sozial und bildungspolitisch. Wir brauchen dringend Studierende, die denken können. Befehlsempfängerinnen und Leute, die nach dem Nürnberger Trichter schreien, sind dabei wenig hilfreich. Sandra Wassermann ist herzlich dazu eingeladen, eigenständige Gedanken zu entwickeln und sich in die studentischen Debatten einzubringen. Brennesselsuppe ist zu wenig.

Nachdenklich stimmt uns freilich die Mitteilung der BZÖ-Gemeinderätin, die Hörsäle seien durch die Proteste der Studierenden entwendet worden. Denn tatsächlich besetzt ist lediglich die Aula. Müssen wir Frau Wassermann dazu animieren, wieder einmal die Uni zu besuchen? Nein, müssen wir nicht und wollen dies auch gar nicht. Sie hat sicherlich genug daheim zu büffeln.

Eine persönliche Anmerkung sei jedoch erlaubt: ich halte die derzeitigen Studierendenproteste in Klagenfurt nur für einen Anfang. Sie sind viel zu angepasst, als dass sie wirkliche Verbesserungen bewirken könnten. Es ist an der Zeit, Augen und Ohren aufzusperren. Wir müssen nach Alternativen zu einer geisttötenden Abfertigungsagentur suchen, die scheinbar auf die Bedürfnisse von Studierenden gut zugeschnitten ist, die sich „willig“ (O-Ton Wassermann) kommandieren und mit „sinnlosem“ Faktenwissen befüllen lassen, um uns dann „lärmende“ Presseaussendungen „zuzumuten“. Wir brauchen vielmehr Bildungseinrichtungen, die für jene da sind, die mit Neugier und innovativem Geist die Probleme unserer Zeit lösen wollen.

Selbstverantwortung, Flexibilität und Eigenständigkeit, Frau Wassermann, gehen anders. Vielleicht schauen Sie ja wieder mal an die Uni.

Protest ohne Kontrolle. Horizont Audimax am „Runden Tisch“

Oktober 31, 2009 von Andreas Exner

Nein, sie sei nicht gewählt, sie vertrete nicht die Besetzenden. Es gäbe da eine Liste, wo sich alle, die für Medienkontakte da sein wollten und sich das zutrauten, eintragen könnten. Und so sei sie auch dazu gekommen, nun im ORF zu sitzen.

Sagt Isabella Weiss. Die wirkt, wie von einem andern Stern. Am Runden Tisch in der ZIB2 vom 30. Oktober. Das Thema: Studierendenproteste. Der Stern von Weiss ist gut. Ein guter Stern, in der Tat, er bietet Diskussionsraum, Schlafplatz und Partysaal für viele. Die da leben, einfach so. Weil’s richtig ist dort. Hier und Jetzt.

Man solle die Menschen nicht nach ihrem Äußeren beurteilen, lautet eine falsche Weisheit. Man soll sie durchaus nach ihrem Äußeren beurteilen, und zwar kritisch, meine ich. Ein Blick in die Runde an dem Tisch zum Beispiel zeigte: einen TU-Rektor Skalicky, feist-paternalistisch, den smarten Hahn, die zur Funktion erstarrte ÖGB-Vizechefin Sabine Oberhauser, einen blassen „Bildungsexperten“ namens Michael Landertshammer, WKO.

Und wie in scharfem Kontrast, licht gegen grau: Sigrid Maurer und Isabella Weiss gegen den Rest der Runde.

Ein Zufall hatte Weiss ins Studio gebracht. Dennoch brachte sie die Aura des Protests schon in ihrer Erscheinung auf den Punkt. Drückte ihr Blick etwas von der Wut aus, die im Widerstand nolens volens liegt? War ihre simple Erklärung, warum sie in der Runde saß, Spiegelbild der ebenso simplen Tatsache, dass die Uni am Arsch ist und es so nicht weitergehen kann, punktum, ya basta? Und dann spricht eben jemand, nicht für andere, sondern als eine wie andere für sich sprechen würden, säßen sie am Runden Tisch im ORF. War ihre Geradlinigkeit Geradlinigkeit der Menge, die sich nicht mehr verarschen lässt, sondern beginnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen? Wir wissen es nicht, aber wir meinen das jedenfalls so ganz dezidiert.

Auf andere Weise war Sigrid Maurer präsent. Und zwar durch ihre unprätentiöse Art, sich weder klein reden zu lassen, noch auftrumpfen zu wollen, was die Rolle der ÖH bei den Protesten angeht. Also, um es mit einem Wort zu sagen: indem sie Intelligenz verkörperte. Eine kollektive Intelligenz, die zugleich Vernunft ist.

„Es ist ein ganz wichtiges Element von diesem Protest, dass er von der Basis kommt und dass nicht eine führende Kraft vorn steht.“

- sagte die ÖH-Vorsitzende im Standard-Interview vom 30. Oktober. Ja, es erstaunt, wie sehr eine politische Funktionärin, die Maurer ist, nicht nur versteht, sondern vielmehr ganz selbstverständlich respektiert, dass die Protestierenden sich ihre Form als eine Menge selbst geben wollen. Und, mehr noch: dies als wesentliches Element ihrer Dynamik begreift und anerkennt, ja, umsichtig unterstützt.

Umgekehrt kann man an Sigrid Maurer und den Reaktionen, die sie auslöst, deutlich erkennen, wie sehr die Proteste gegen den Strich der üblichen Demokratie, der zwangsweisen Repräsentation des Nicht-Repräsentierbaren, eigentlich gehen. Da wundert sich etwa der Standard-Journalist und bohrt unverdrossen nach: Frau Maurer, die ÖH verliert doch an Relevanz, an Macht, die Studierenden tun doch was sie wollen. Oder, der Journalist formuliert es etwas nobler:

„Offenbar hat sich der Protest verselbstständigt. Viele Studenten sind der Ansicht, dass sie die ÖH als politische Vertretung gar nicht mehr brauchen.“

Er versteht nicht. Versteht nicht, dass ein politisches Gremium wie die ÖH unter glücklichen Umständen, die offenbar eingetreten sind, anders denkt und handelt als die Bundesregierung oder die Gewerkschaft oder sonst eine der üblichen demokratischen Gremien und Institutionen. Auch der Moderator des Runden Tischs versteht nicht, hakt nach, will sich nicht zufrieden geben mit dem Fakt, dass die Proteste im Wesentlichen nicht von Dominanzansprüchen deformiert sind, sondern vielmehr geformt sind von einer Menge, die damit befasst ist, sich selbst zu konstitutieren, als eine soziale Wirkmacht. Genau darin aber liegen die Besonderheit und das besondere Interesse der Proteste. Sie werden vom Raster der Macht und ihres Denkens, ihrer Medien nicht erfasst, nicht begriffen. Sie entkommen ihnen, entgehen der Fahndung nach dem, was sich dingfest, beherrschbar machen lässt.

Der Moderator möchte die Weiss auf den Punkt der Macht hinzwingen: Welche Forderungen gibt es? Wann werden die Studierenden das Audimax verlassen? Ist sie wirklich keine Sprecherin?

Auch die ÖGB-Vizechefin denkt in der Logik der Macht, der Anpassung, der Herrschaft. Sie verkörpert sie, agiert ganz in der Form der Koalition – der widersprüchlich widerwärtigen Mischung aus Kooperation und Konkurrenz mit einem Gegner am Marktplatz der Politik. Und als eine Vertreterin der Disziplinierungsapparatur der Gewerkschaft. Missbilligende Reaktionen erntet sie deshalb von Weiss und Maurer, als sie allen Ernstes vorschlägt, die Industriellenvereinigung möge doch im Verein mit den anderen Sozialpartnern, namentlich der Gewerkschaft, die Studierenden in die von der Wirtschaft nachgefragten Studienrichtungen lenken.

- Man muss schon eine Politikerin sein und Gewerkschafterin alten Schlags dazu, um solchen Unsinn von sich zu geben.

Was bitte soll das für ein Kriterium sein, was die Wirtschaft will, dass Leute studieren? – So wurde das im Wortlaut von Maurer und Weiss nicht gesagt, aber dem Sinn nach. Und hier wieder wird die Befreiung spürbar, die der Potenz nach in den Protesten liegt. Was soll das für ein hirnrissiges Argument gegen die Fortführung der Proteste sein, dass 16.000 Euro am Tag für Ersatzmieten ausgeben werden? Was für ein absurdes Ansinnen, unser Leben nach den Ansprüchen der Wirtschaft ausrichten zu sollen? Was für ein skurriler Zug, Leute vom Studium auszuschließen? Was für eine Zumutung, mit dem Verweis auf „physische Begrenzungen“ (Skalicky) suggerieren zu wollen, dass all jene, die Architektur studieren wollen, dies nicht auch können sollen.

Welch Unverstand, welch bodenlose Frechheit.

Nein, es ist ganz klar zu sagen: Wenn eine Debatte über Bildung Jahre lang dauert, dann führen wir sie eben Jahre lang. Und wenn das Audimax dafür ein halbes Jahr, ein Jahr, zwei Jahre besetzt sein muss. Warum nicht? Als Weiss und Maurer das (in ihren Worten) sagen, merkt man, wie es den Moderator, Hahn, wie es alle am Tisch ein wenig krümmt. Das soll, so wundert sich der Moderator ernstlich, die Antwort auf die rhethorisch gemeinte Frage sein, wie lange man denn noch besetzen wolle? Wenn es eigentlich um eine Bildungsdebatte gehe? Wo doch alle wüssten, dass so eine Debatte nicht kurzum zu beenden ist und also die Studierenden folglich noch sehr lange im Audimax nicht nur protestieren, sondern wohnen müssten?

So sehr gegen die Logik des Bestehenden gehen solche Aussagen: Wenn diese Debatte lange braucht, dann braucht sie eben lange. – Und so richtig sind sie. Atemberaubend richtig.

Es waren kleine Momente, einzelne Aspekte, an denen sichtbar wurde: ein Protest ohne Kontrolle; ohne fremde Hierarchie; als Vorgriff auf eine Zukunft, die weit mehr braucht als eine Besetzung, weit mehr brauchen wird als noch ein halbes Jahr; nicht weil es darum ginge, einen Minister zu Zugeständnissen zu zwingen. Sondern weil die Anliegen der Studierenden sich als das eigentliche Anliegen bewusst werden müssen, das Elend der verkauften Existenz zu überwinden.

Nein, warum soll jemand gerade das studieren, was die Wirtschaft will und glaubt zu brauchen?

Wie absurd.

Grüne/UG: 3 Anträge für die AK-Vollversammlung

Oktober 30, 2009 von Andreas Exner

Die Grüne/UG hat heute 3 Anträge für die AK-Vollversammlung am 6.Nov. eingebracht.

Die Themen:

1. Abschaffung der Erfolgsquote bei Förder- und Rehabilitationsmaßnahmen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen bzw. psychischer Beeinträchtigung

2. Nein zur Kürzung von finanziellen Ressourcen für Projekte zur beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung durch das Bundessozialamt

3. Kein Ausschluss zehntausender Erwerbstätiger aus dem System der Sozialversicherung durch die selbsternannte „soziale Heimatpartei“ FPÖ